Krieg

“Sei kurz leise. Hörst Du das?”, sagte mein Cousin Željo einmal, als wir in seinem Restaurant in Kreuzberg saßen und durch die Fenster schauten, gegenüber die Amerika-Gedenkbibliothek unter strahlend blauem Himmel. “Diese Stille, wie schön sie ist, keine Granaten.”

Ich hatte gerade gestikulierend über meinen Berufsstress geklagt. Nach Željos Worten legte ich meine Hände in den Schoß, lehnte mich zurück und nickte. Was er mir sagen wollte und ich sofort verstand: Wir haben hier in Deutschland keine fundamentalen Probleme, wir leben in Frieden und Wohlstand, uns geht es gut, verdammt gut. Doch wir hängen uns zu oft an Kleinigkeiten auf, verlieren den Blick fürs Ganze und vergessen zu schätzen, was wir haben.

Željo hat als Soldat Krieg an vorderster Front erlebt - wie fünf weitere meiner Cousins und vier Onkel. Lange habe ich geglaubt, dass die Jugoslawienkriege nichts mit mir zu tun haben, schließlich habe ich sie nicht erlebt, nicht mal einen Schuss gehört. Doch dieser Krieg war das traurigste, schrecklichste und einschneidendste Erlebnis meiner Jugend. Verarbeitet habe ich das in einem Artikel für Krautreporter: Der Krieg und ich.

Was zu wenige Deutsche wissen: Aktuell leben unter uns auch mehr als 10.000 deutsche Veteranen mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). Einen von ihnen, Johannes Clair, habe ich für Krautreporter interviewt. Bis heute bin ich ihm dankbar für seine Offenheit im Interview, bei dem er an seine Grenzen ging. Und für seinen Dienst für unser Land. Dankbar bin ich auch, dass ich einen Text zuliefern durfte für das Buch Die unsichtbaren Veteranen: Kriegsheimkehrer in der deutschen Gesellschaft. Der Text trägt die Überschrift Krieg im Kopf. Das Buch ist herausgegeben worden für den Bund Deutscher EinsatzVeteranen, in dem ich Mitglied bin.

Nur wer Krieg erlebt hat, weiß den Frieden wirklich zu schätzen.

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Zoran